Das Zielszenario zeigt, wie Dresden bis zum Jahr 2045 zukunftssicher mit Wärme versorgt werden soll. Es dient als Leitbild und gibt die voraussichtliche Richtung vor, ersetzt jedoch keine Detailplanung für einzelne Gebäude. Grundlage dafür sind umfassende Datenauswertungen von rund 69.000 Gebäuden im Stadtgebiet sowie der Vergleich verschiedener Entwicklungspfade. Bei der Erstellung stehen vor allem die Wirtschaftlichkeit für Haushalte, die Versorgungssicherheit und der Beitrag zum Klimaschutz im Mittelpunkt. Um die Ergebnisse möglichst verlässlich einzuschätzen, wurde dabei mit zurückhaltenden Annahmen gerechnet, unter anderem mit hohen Strompreisen ohne Vergünstigungen oder selbstgenutzter PV-Strom.


Nach den Berechnungen werden Wärmenetze (Fern- und Nahwärme) voraussichtlich folgende Anteile am Dresdner Endenergiebedarf für Wärme abdecken:
- 46 % bis 2030
- 54,9 % bis 2035
- 64,3 % bis 2040
- 66,2 % bis 2045
Der Anteil von Erdgas zur Wärmeerzeugung sinkt bis 2045 auf 0 %. Ein Rest von etwa 0,6 % (ca. 20 GWh) bleibt als biogenes Flüssiggas für besondere Einzelfälle. Gleichzeitig wächst der Beitrag durch Wärmepumpen deutlich.
Gebietseinteilung
Um für jedes Quartiere die passende Lösung zu finden, unterteilt der Wärmeplan Dresden das Stadtgebiet in verschiedene Wärmeversorgungsgebiete. Dazu gehören Bereiche, die künftig über Fern- oder Nahwärme versorgt werden sollen oder Gebiete, in denen dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen im Vordergrund stehen. Diese Einteilung sorgt für Transparenz und gibt Bürgerinnen und Bürgern wie auch Energieversorgern eine wichtige Orientierung. Sie ist jedoch nicht als kurzfristige Prognose zu verstehen, sondern als langfristiges Leitbild für die kommenden Jahrzehnte.
Die Wärmeversorgungsgebiete des Wärmebedarfs können im Energieatlas eingesehen werden.
Im Nachfolgenden können Sie sich näher zu den Gebietseinteilungen in Wärmenetze (Fern- und Nahwärme) und dezentrale Wärmelösungen informieren.


Besonders gut geeignet für den Ausbau eines Wärmenetzes sind dicht bebaute Stadtviertel mit vielen Mehrfamilienhäusern oder gewerblichen Wärmegroßverbrauchern. Simulationen zeigen, dass dort Anschlussgrade von über 60 Prozent des gesamten Energiebedarfs eines Baublocks erreicht werden können – ein klarer Hinweis auf eine sehr hohe Eignung.
Auch in Quartieren, in denen mehr als die Hälfte der Gebäude öffentlich oder denkmalgeschützt ist, bietet sich ein Wärmenetz an. Diese Gebäude werden in der Regel bevorzugt angeschlossen und erhöhen damit die Wirtschaftlichkeit des Netzes.
In weniger dicht besiedelten Bereichen ist die Wärmedichte hingegen meist zu gering. Hier kommen eher kleinere Mikronetze zum Einsatz, die jeweils einzelne Häusergruppen versorgen.
Hier gelangen Sie zu weiteren Informationen zur Fernwärme und Nahwärme.


Locker bebaute Randlagen mit einem geringen Wärmebedarf pro Fläche eignen sich besonders gut für eine dezentrale Wärmeversorgung. Als grobe Orientierung gilt: Liegt der Bedarf dauerhaft unter 300 bis 500 Megawattstunden pro Hektar und Jahr, ist der Betrieb eines Wärmenetzes in der Regel nicht wirtschaftlich – vor allem dann, wenn lange Leitungen verlegt werden müssten oder nur wenige Anschlüsse zustande kämen. In solchen Gegenden sind Einfamilienhäuser typisch, die meist über genügend Platz für den Einbau von Wärmepumpen verfügen; zusätzlich können biogene Brennstoffe eine Rolle spielen. Schwieriger wird es dort, wo das Gasnetz spätestens 2045 wegfällt.
In Dresden bieten Stadtteile wie Blasewitz, Loschwitz, Bühlau oder die Radeberger Vorstadt grundsätzlich gute Voraussetzungen für eine dezentrale Versorgung. Anders sieht es in der Innenstadt und insbesondere in der Neustadt aus, wo die geschlossene Blockrandbebauung wenig Raum für Erdwärmesysteme lässt, Lärmschutzauflagen den Einsatz von Luftwärmepumpen erschweren und ein verstärkter Einsatz von Biomasse zu Problemen bei der Luftqualität führen würde. Diese dicht bebauten Bereiche sind deshalb überwiegend den bestehenden oder künftigen Fernwärmegebieten zugeordnet.
Hier gelangen Sie zu weiteren Informationen zu dezentralen Wärmelösungen.


In Dresden wird Wasserstoff nicht flächendeckend eingesetzt, sondern gezielt dort, wo er technisch unverzichtbar ist. Das betrifft vor allem Industrieprozesse, die sehr hohe Temperaturen von über 200 Grad Celsius benötigen, sowie Anwendungen, bei denen Wasserstoff als Prozessgas dient.
Damit der Einsatz überhaupt möglich ist, benötigt es ein intaktes, wasserstofftaugliches Gasnetz, eine Anbindung an überregionale Leitungen und verlässliche Bezugsquellen. Da Wasserstoff auf absehbare Zeit knapp und teuer bleibt, soll er nur sehr selektiv genutzt werden.
Entlang geplanter Wasserstofftrassen – etwa zur Versorgung großer Fernwärmeerzeuger oder bestimmter Industrieanlagen – kann im Einzelfall auch geprüft werden, ob ein Einsatz in Gebäudeheizungen sinnvoll ist.
Hier gelangen Sie zu weiteren Informationen zu Wasserstoff.


Prüfgebiete sind Bereiche in Dresden, für die heute noch nicht eindeutig festgelegt ist, wie sie künftig mit klimafreundlicher Wärme versorgt werden. Hier gibt es verschiedene Optionen – von einem Anschluss an ein Wärmenetz über Nahwärmelösungen bis hin zu dezentralen Heizungen mit Wärmepumpen oder biogenen Brennstoffen. Alle Prüfgebiete werden Schritt für Schritt genauer untersucht. Ziel ist es, herauszufinden, welche Versorgung dort langfristig technisch machbar, wirtschaftlich sinnvoll und klimafreundlich ist. Sobald genügend Informationen vorliegen, werden die Gebiete klar zugeordnet – damit Eigentümerinnen und Eigentümer Planungssicherheit haben.
Prüfgebiete Fernwärme
Am Rand des bestehenden oder geplanten Fernwärmenetzes gibt es Gebiete, in denen sich ein Anschluss wirtschaftlich lohnen könnte. Für diese Prüfgebiete Fernwärmenetz wird die SachsenEnergie zeitnah prüfen, ob ein Ausbau und Anschluss möglich ist.
Prüfgebiete Nahwärme
In manchen Stadtteilen ist ein Fernwärmeanschluss nicht sinnvoll. Hier gibt es aber gute Voraussetzungen für kleinere, lokal organisierte Wärmenetze – sogenannte Nahwärmenetze. Die Schritte bis zur Realisierung eines Nahwärmenetzes sind aber komplex und die betroffenen Gebiete werden vorerst als als Prüfgebiete Nahwärmenetz geführt.
Prüfgebiete Wasserstoff
Auch beim Thema Wasserstoff gibt es noch offene Fragen. Besonders für Hochtemperaturprozesse in der Industrie könnten künftig leitungsgebundene Lösungen benötigt werden. Diese Bedarfe werden in der Fortschreibung des Wärmeplans genauer geprüft.
Dezentrale Prüfgebiete
Für alle anderen Prüfgebiete steht noch keine eindeutige Wärmeversorgungsart fest. Diese Gebiete werden vorerst wie dezentrale Versorgungsbereiche behandelt. Das heißt: Die Wärmeversorgung erfolgt hier individuell – zum Beispiel über Wärmepumpen oder mit biogenen Brennstoffen.
Zeitplan und Auswirkungen für Haushalte
Die Fernwärme bleibt eine der zentralen Säulen der Wärmeversorgung und wird in den kommenden Jahren weiter ausgebaut. In den ausgewiesenen Prüfgebieten – sowohl für Fern- als auch für Nahwärme – stehen ab 2035 Anschlussmöglichkeiten zur Verfügung. Ein Anschlusszwang besteht dabei nicht. Wer im Netzgebiet auf eine eigene Lösung wie etwa eine Wärmepumpe setzt, kann dies auch weiterhin tun.
Müssen Heizungen in diesen Prüfgebieten bereits vor 2035 ausgetauscht werden, greifen die Übergangsregelungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG). Hierbei sind auch zeitlich begrenzte Übergangslösungen möglich. Das Erdgasnetz wird im angestrebten Szenario Ende 2044 außer Betrieb genommen. Bis dahin dürfen bestehende Anlagen weiterhin Gas nutzen; neue Gaskessel sind bis dahin nur in Übereinstimmung mit den Vorgaben des GEG zulässig.
Die Zahl der an Fern- oder Nahwärme angeschlossenen Gebäude steigt von rund 14.000 im Jahr 2021 auf etwa 23.000 im Jahr 2045. Parallel dazu werden Luft-Wasser-Wärmepumpen in geeigneten Lagen zunehmend zur Standardlösung und erreichen bis 2045 eine Zahl von rund 35.000 Anlagen. Ölheizungen verschwinden vollständig, Pelletheizungen bleiben eine Nischen- oder Übergangslösung, während reine Direktstromheizungen Ausnahmefälle darstellen.
Durch diese Entwicklung sinken die CO₂-Emissionen aus der Wärmeerzeugung bis 2045 nahezu auf null. Die wenigen verbleibenden Emissionen stammen ausschließlich aus biogenen Brennstoffen.

