Ein großer Teil der Wärme wird in unseren Häusern gebraucht. Viele Gebäude in Dresden sind bereits saniert, vor allem seit den 1990er-Jahren. Dennoch gibt es viele Häuser mit schlechtem Energiestandard, die in den nächsten Jahren saniert werden können. Maßnahmen wie bessere Dämmung, moderne Heizkörper oder das Absenken der Vorlauftemperaturen helfen, Energie bei der Wärmeversorgung zu sparen. Vor allem in der Altstadt, in der Neustadt und in großen Wohngebieten wie den Plattenbausiedlungen bleibt der Wärmebedarf aber auch in Zukunft hoch.
Relevanz der Potenzialanalyse


Gebäude und Energieeinsparung
Industrie und Prozesswärme
In der Industrie ist vor allem die sogenannte Prozesswärme wichtig – die Wärme, die für Produktionsabläufe benötigt wird. Manche Prozesse laufen bei relativ niedrigen Temperaturen ab und können künftig mit großen Wärmepumpen betrieben werden. Für sehr hohe Temperaturen, wie sie z.B. zur Herstellung von Halbleiter-Grundmaterial benötigt werden, bleiben Wasserstoff oder Strom zum Heizen spezieller Öfen unab-dingbar. Dresden hat einen hohen Energiebedarf in der Industrie, insbesondere im Halbleiterbereich. Hier bestehen große Chancen, aber auch Herausforderungen für die Umstellung.
Erneuerbare Wärmequellen
In Dresden gibt es zahlreiche Möglichkeiten, erneuerbare Wärme zu nutzen:
- Luftwärme: Luft/Wasser- und Luft/Luft-Wärmepumpen können in fast allen Stadtteilen eingesetzt werden. Sie könnten theoretisch bis zu 70 % des städtischen Nutzenergiebedarfs decken. Einschränkungen gibt es durch Lärmschutz in dicht bebauten Gebieten und die Auslastung der Stromnetze.
- Erdwärme: Mit Erdkollektoren und Erdsonden lässt sich Wärme aus dem Boden gewinnen. Kollektoren brauchen viel Platz, Erdsonden weniger – dafür sind Bohrungen nötig. Insgesamt könnte rund ein Drittel des Bedarfs über Erdsonden gedeckt werden.
- Grundwasser: Auch Grundwasser ist eine Wärmequelle. In Dresden gibt es hier ein Potenzial von rund 230 GWh pro Jahr. In Wasserschutzgebieten ist die Nutzung allerdings nicht erlaubt.
- Abwasser: Sowohl Trink- als auch Abwassertemperaturen unterliegen jährlichen Schwankungen, wobei die Temperaturen im Winter oft deutlich wärmer als die Außentemperatur sind. Dieser Temperaturunterschied kann mit Hilfe von Wärmepumpentechnologie zum Heizen genutzt werden. Für die Kläranlage in Kaditz wurde das Potenzial zur Wärmenutzung weitergehend untersucht. Das Potenzial liegt bei rund 375 GWh.
- Abwärme: Viele Industriebetriebe und Rechenzentren geben Wärme ab, die bisher ungenutzt bleibt. Die SachsenEnergie AG schätzt das Potenzial auf rund 825 GWh. Erste Projekte, z. B. am Hochleistungsrechenzentrum der TU Dresden, sind bereits gestartet.
- Thermische Abfallbehandlung: Der, bei der Behandlung von Abfällen entstehende Dampf kann durch Turbinen als Wärme- und Stromquelle genutzt werden. In Dresden gibt es bisher keine thermische Abfallbehandlungsanlage. Würde Dresden eine eigene Anlage bauen, könnten zusätzlich fast 300 GWh Wärme genutzt werden.
- Wasserstoff: Ab 2032 soll Dresden an das deutschlandweite Wasserstoff-Kernnetz angeschlossen werden. Dann können insbesondere Industrieanlagen mit klimafreundlichem Wasserstoff betrieben werden.
- Solarthermie: Sonnenkollektoren auf Dächern oder Freiflächen können Wärme für Warmwasser und Heizung liefern. Wegen des hohen Platzbedarfs sind sie in der Stadt aber nur begrenzt einsetzbar.
Weitere Informationen und die räumliche Verteilung der Potentiale der erneuerbaren Wärmequellen können im Energieatlas eingesehen werden.
Die Analyse zeigt, dass Dresden viele Möglichkeiten hat, um die Wärmeversorgung klimafreundlich zu gestalten. Ein Mix aus Energieeinsparung, Wärmepumpen, Abwärmenutzung, der Nutzung grünen Wasserstoffs und erneuerbaren Quellen wie Sonnen-, Boden- und Wasserenergie kann die Stadt bis 2045 klimaneutral machen. Damit das gelingt, müssen Stadt, Energieversorger, Industrie und Bürgerinnen und Bürger gemeinsam handeln.